Rezepte einer italienischen Nonna, Kindheitserinnerungen und wunderbare Bilder und Illustrationen

„Wolltest Du nicht kochen?
„Klar, ich fang gleich an. Ich les nur noch kurz diese Geschichte zu Ende.“

Eine Geschichte in einem Kochbuch? Ja, das gibt und es ist eine der wunderbarsten Ideen, auf die Larissa Bertonasco wohl je gekommen ist. Ihr Kochbuch „La nonna. La cucina. La vita.“ mit dem Untertitel „Die wunderbaren Rezepte meiner Großmutter“ (Gerstenberg, 19,90 EUR) ist eine traumhafte Reise in eine andere Welt. Auf der Suche nach einem einfachen, altbewährten oder aufwendigeren Rezept stolpert man beim Durchblättern dieses Buches immer mal wieder in Larissas Welt. Und in die, ihrer Nonna aus Finale Ligure Nähe Genua an der ligurischen Küste. Macht einen gedanklichen Kurztrip nach Italien und haltet die köstlichen Düfte nach Rosmarin, Salbei, frischen Tomaten, Meer und Salz fest, ok, weniger romantisch ist, dass es in Larissa Bertonascos Italien auch nach Mottenkugeln und Spiritus riecht. Aber das gehört wohl dazu. Sonst wäre es auch zu perfekt.

Und hier eine kleine Leseprobe zu den wunderbaren Bildern: „…Als ich meine Nonna am frühen Abend abhole, hat sie sich schickgemacht. Wir fahren zu Ezio, einem Freund, der im Hinterland in einem einfachen alten Steinhaus mit orangenen Türen und Fensterläden wohnt. Ezio hat zwei Pferde, einen großen weißen Hund und eine strubbelige Katze. Im Haus duftet es nach Holz und Feuer. Meiner Nonna gefällt es hier, weil dieser Ort sie an ihr Elternhaus erinnert. Sie liebt das einfache Leben und ist nicht davon abzuhalten, in dem etwas verwilderten Gemüsegarten Unkraut zu rupfen. Sie pflückt Majoran und ein paar Tomaten für das Fischgericht, und in Ezios Küche fängt sie erstmal an, den Herd zu putzen. Sie findet sein Haus zwar einigermaßen sauber und aufgeräumt, aber, stellt sie fest, für die Details wie blinkende Herde haben Männer eben einfach keinen Sinn. Meine Nonna hat die Küche in Beschlag genommen, und die Meerbarben brutzeln in der frischen Tomatensauce auf dem Herd. Als Maurizio und die anderen Freunde kommmen, wird Nonna von allen umarmt und geküsst. In Italien ist es viel üblicher, auch ältere Menschen mit dem Vornamen anzusprechen, selbst wenn man sie nicht so gut kennt. Meine Nonna ist für alle nur „Maria“.
Es ist noch warm draußen, und so decken wir eine lange Tafel auf der Terrasse vor dem Haus. Langsam dämmert es, wir sitzen beieinander, sehen auf das Meer, essen viel, trinken viel, reden, lachen, und meine Nonna, mit Abstand die älteste, ist mitten unter uns. Sie schäkert mit Giorgio, die beiden zwinkern sich zu, geben sich Luftküsse. „Maria! Quando ci sposiamo?“, „Wann heiraten wir, Maria?!. Giorgio könnte Nonnas Enkel sein. Eine ganze Weile später gehen wir alle glücklich und satt nach Hause. La vita è bella.

Also, lasst Euch nicht von den fiesen Zwiebeln die Tränen in die Augen treiben, sondern heult schon vorher. Vor Lachen oder vor Rührung beim Lesen in diesem wundervollen Buch.

Oder macht es wie ich. Packt die Schere aus und gestaltet Euch aus den zauberhaften Bildern eine Collage. Bei mir hängt dieses Bild in der Küche. Wenn das nicht zum Kochen anregt. Ok. Problem: einige der wunderbaren Rezepte kann ich aufgrund der fehlenden Seiten nun leider nicht mehr nachkochen. Aber dafür habe ich ein hinreissendes Kunstwerk in der Küche hängen. Macht zwar nicht satt, aber glücklich.

3 Kommentare zu „Rezepte einer italienischen Nonna, Kindheitserinnerungen und wunderbare Bilder und Illustrationen

  1. Oh wie schön, das Buch hab ich grad beim DEIKE Cafe in Eimsbüttel gesehen, die haben da noch mehr tolle Bücher!

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